1 Die Hälfte aller Werbeausgaben ist für die Katz! Aber welche Hälfte …?

25. November 2017 0
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Zuerst einmal herzlichen Dank für die vielen Zuschriften, die ich zu diesem Thema von Ihnen erhalten habe. Ich bin erstaunt, dass es doch eine Menge Leidensgenossen gibt, die die stets größer werdende Flut von (vorwiegend tumber) Werbung in allen Medien ebenfalls als große Belästigung empfinden. Ob im Radio, Fernsehen, Kino, Briefkasten, in Zeitungen oder draußen auf der Straße in monströsen Schaukästen (die nicht nur das Straßenbild verschandeln, sondern insbesondere auch die Autofahrer ablenken). Werbung, Werbung, Werbung. Immer mehr, größer, banaler, lauter, dreister und nervender.

Das nächste „Werbe“-Extrem ist bereits im Anmarsch … Jedes Jahr aufs Neue erleben wir eine enorme Geldverbrennung in Form von „lieblosen“ Weihnachtskarten, oft ohne Absender, unleserlichen Unterschriften und langweiligen, sich x-mal wiederholenden Texten und gleicher Aufmachung. Ein 08/15-Gewohnheitsritual, das die Papierkörbe füllt und der Post hohe Umsätze beschert.
Um sich aus dieser kreativlosen Masse hervorzuheben, hilft nur eins: Schreiben Sie Ihre eigenen, persönlichen und ansprechenden Brieftexte selber, auf besonderem Briefpapier (kein Firmenbogen!), mit Absenderangabe, zusätzliches Logo geht auch, mit Anrede, eigenhändiger Unterschrift, und dann per Brief versenden! NICHT als Drucksache. Ein individueller, stimmungsvoller Brief wirkt edler als Weihnachtskarten, und hat einen höheren Aufmerksamkeitswert. Der Empfänger wird ihn mit Sicherheit lesen und wertschätzen. Das kostet zwar mehr Zeit, die sich aber lohnt. Wenn Ihnen keine Texte einfallen, gibt es viele Möglichkeiten an ansprechende Texte zu kommen (z. B. im Internet, Bücher, alte Weihnachstexte, die Ihnen gefallen haben usw.).

Noch ein Hinweis, nicht nur für Weihnachtsgeschenke: Machen Sie Werbung bzw. Geschenke mit Ihren eigenen Produkten, mit Ihrer eigenen Dienstleistung. Seien Sie kreativ und bauen dies in Ihre Werbung mit ein (ein Schriftzug oder eine Visitenkarte reicht da nicht aus). Schon nach kurzer Zeit weiß kein Mensch mehr, woher er den Wein, die Pralinen, den Cognac etc. bekommen hat, wenn er keinen direkten Bezug zu Ihnen und Ihrem Unternehmen herstellen kann. Geschenke, die nicht zu Ihrem Unternehmen passen, sind reine Geldverschwendung.

Mehrere Tausend Werbespots buhlen täglich im deutschen Fernsehen um die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Hinzu kommen die kaum zählbaren Plakat-, Zeitschriften-, Hörfunk- und Internet-/Mailwerbungen. Was soll dieser penetrante Dauerbeschuss mit (meist öden) Werbebotschaften? Natürlich wird es immer schwieriger, den Konsumenten zu erreichen. Doch hier sieht es mehr nach Überlebenskampf von Werbeagenturen aus, die auf Biegen und Brechen die Primitivschiene bis zur absoluten Schmerzgrenze fahren. Wo sind die kreativen Köpfe geblieben, die uns mit Geschichten unterhalten, zum Lachen bringen, etwas in uns berühren und zum Kaufen animieren?

Ist Werbung Verbraucher- bzw. Kundeninformation oder Beeinflussung? Sind wir wirklich so manipulierbar, dass wir kaufen, was wir eigentlich weder brauchen noch wollen? Ist das Konsumhysterie oder Dummheit? Mit leeren Versprechen, zweifelhaften Studien, getürkten Experten und sogar mit Lügen lassen sich jede Menge Leute übers Ohr hauen. Wenn es um Verkaufsstrategien geht, werden keine Tricks, irreführende Werbung und Werbelügen gescheut. Genau hier liegt das Problem, bzw. eine Herausforderung für unsere eigene Werbung. Viele schreien, aber nur wenige werden gehört, da der Kunde/Konsument sich mit der Zeit an die Werbekampagnen gewöhnt und abstumpft. Ganz davon abgesehen, dass sich seit Jahren die überwiegende Werbung auf dem Wege des Niveauverlustes befindet. Keine netten Geschichten, null Unterhaltungswert, Volksverdummung, Störenfried und Nervensäge. Die Werbung animiert schon lange nicht mehr zum Zuschauen, Zuhören oder Lesen, geschweige denn zum Kaufen. Mündige Bürger sind mittlerweile immun.

Außerdem überschreitet Werbung nicht nur regionale und soziale Grenzen, sondern häufig auch die des guten Geschmacks und des Gesetzes. Jeder Bürger, der sich durch eine Werbung beleidigt fühlt, hat in Deutschland das Recht, sich zu beschweren. Vor diesen Beschwerden fürchten sich die Werbetreibenden, denn sie rufen den Gesetzgeber auf den Plan. Der könnte die Werbegesetze verschärfen und damit die Möglichkeiten der Werbebranche einschränken.

Scheinbar ist es noch nicht bis zu allen Unternehmen vorgedrungen, dass mit einfältiger bzw. aggressiver Werbung keiner mehr zum Kauf animiert wird, was ja bei Werbung eigentlich Sinn der Sache ist, dem Käufer ein Kauferlebnis anzukündigen. Bringt der Irrglaube »Hauptsache man spricht drüber, auch wenn es nervt« Käufer/Kunden? Nein! Gequält schaltet man ab, vernichtet Papierwerbung, und kauft keine Zeitungen/Magazine mehr, da sie mittlerweile mehr Werbung als Inhalte haben. »Werbung schalte ich ab, weil ich es mir wert bin.« (E.H. Bellermann 1937)

Der eine versteht Werbung als Information, z. B. über neue Produkte oder Dienstleistungen, oder als Hinweis auf Attraktionen oder Sehenswürdigkeiten.
Der andere sieht sie als nervende Dauerwerbespots im Fernsehen, die seinen Lieblingsfilm mehrmals unterbrechen und ihn somit zur Weißglut treiben, oder als Papierverschwendung in Form von sinnlosen Prospektbergen, die den Briefkasten nur unnütz verstopfen.
Die Sichtweise ändert sich also von Fall zu Fall.

Werbung sollte kreative Kommunikation sein. Sie muss attraktiv gestaltet werden, so dass sie unterhält und neugierig macht. Das oberste Ziel der Werbung ist es, Aufmerksamkeit zu wecken. Das bedeutet: Sie wird bemerkt, sie wird verstanden, sie löst Interesse aus, sie verkauft.

Jetzt stellen wir uns als Dienstleister/Unternehmer natürlich folgende Fragen:

  1. Was können wir wie und wo tun, damit unsere Werbung nicht in dieser Werbeflut untergeht, aus dem vorhandenen Einheitsbrei hervorsticht, und nicht als Belästigung wahrgenommen wird?
  2. Wird ehrliche Werbung seriöser Dienstleister, Unternehmer und Hersteller überhaupt noch durch diesen undurchschaubaren Dschungel erkannt?

»Wer nicht wirbt, der stirbt.« Diesen Ausspruch des Großindustriellen Henry Ford kennt wohl jeder. Aber die Umsetzung ist gar nicht so einfach. Denn auf der einen Seite wollen und brauchen wir für unser Unternehmen, unsere Dienstleistung Werbung, auf der anderen Seite möchten wir auf keinen Fall jemanden damit nerven. Kostengünstige oder gar kostenlose positive Werbung ist bei Gesprächen unter uns Selbständigen deshalb auch immer wieder ein Thema.

Nachstehend einige Tipps, die ich in meinen langen Berufsjahren alle selber ausprobiert und erfolgreich umgesetzt habe.

Heutzutage kann man natürlich einen kostenlosen Werbeweg nutzen, indem man einen eigenen Blog schreibt und ihn auf Facebook und/oder anderswo einstellt. Man muss ihn aber regelmäßig mit Infos/Beiträgen füllen. Hier beweisen Sie Ihre Fachkompetenz mit Beiträgen, und können gleichzeitig für Ihre Dienstleistung Werbung einflechten. Es ist ein besonderes Metier, wo man sich vorher eingehend informieren sollte, bevor man loslegt, damit man Erfolg hat. Auch hierzu gibt es im Internet viele Informationen und Hilfen über Aufbau, Marketing etc.

Eine gute Möglichkeit ist auch, die Presse für sich Werbung machen zu lassen. Machen Sie Schlagzeilen mit Firmen-News, Engagement und Experten-Tipps. Teure Anzeigen in einer Zeitung – das muss nicht sein. Besser ist es, die Redaktionen mit Informationen aus Ihrem Unternehmen zu füttern. So zahlen Sie für Ihre Werbung keinen Cent und profitieren zudem meistens mehr als von reiner Werbung. Presseberichte wirken nämlich objektiv und genießen daher in der Öffentlichkeit eine höhere Glaubwürdigkeit. Welche Themen interessieren jedoch die Redakteure? Ein bisschen Kreativität ist gefragt, damit Sie kostenlos in die Zeitung kommen. Zum Beispiel:
Firmen-News:  Jubiläum, großer Auftrag, Patent, Schaffung neuer Arbeitsplätze etc.
Besondere Aufträge:  Bewerbungstraining für Langzeitarbeitslose
Experten-Tipps:  Wohlfühlarbeitsplatz motiviert zu höheren Leistungen
Entscheidend für den Erfolg ist der Aufhänger, der die Leser unbedingt interessieren muss. Ihr Name bzw. der Name Ihres Unternehmens mit Ortsangabe und E-Mail-/Internet-Adresse vermerken. Nur so können Leser Sie später auch finden.

Texten Sie Ihr Produkt-/Dienstleistungs-Inserat doch einmal wie eine Kontaktanzeige. Um erfolgreich zu sein, muss Ihre Werbung zunächst einmal auffallen. Verstecken Sie Anzeigen in Zeitungen nicht zwischen den Annoncen Ihrer Konkurrenten. Platzieren Sie sie bewusst in einer anderen Rubrik als der üblichen, denn Kleinanzeigen werden ohnehin aufmerksam studiert. Gut ist z. B. die Seite mit den Familienanzeigen, in Tages- und Wochenzeitungen, die liest fast jeder gern. Nutzen Sie diese Tatsache, um die Aufmerksamkeit für Ihre Kleinanzeigen zu erhöhen.
In  dieser Kleinanzeige spricht die neue Einbauküche den Leser direkt an und schlägt ein „Kennenlernen“ vor. Die „sprechende“ Küche wirbt dabei mit Attributen wie „pflegeleicht“ und „anpassungsfähig“ für ihre Vorzüge: Suche nette Familie. Sehe gut aus, bin sehr pflegeleicht und außerordentlich anpassungsfähig. Mein Name: Einbauküche. Jetzt anrufen und mich kennenlernen! Tel: …
Eine solche „Kontaktanzeige“ erregt garantiert höhere Aufmerksamkeit, als eine der üblichen Produktannoncen, meinen Sie nicht auch?

Schreiben Sie Leserbriefe
Leserbriefe an Zeitungen bzw. Fachzeitschriften Ihrer Branche sind eine äußerst effektive und Erfolgversprechende Möglichkeit, auf Ihre Person und damit auch auf Ihr Unternehmen aufmerksam zu machen. Sie werden nicht als Werbung aufgefasst, weil Sie darin Ihre persönliche Meinung zu einem Thema kundtun. Studien belegen zudem, dass die meisten Menschen den Leserbriefen in Zeitungen und Zeitschriften mehr Aufmerksamkeit widmen als dem Leitartikel. Gehen Sie so vor, damit Ihr Leserbrief tatsächlich abgedruckt wird: Seien Sie aktuell, fassen Sie sich kurz, nehmen Sie Bezug auf einen Beitrag in der Zeitung/Zeitschrift, schreiben Sie unmittelbar nach Veröffentlichung einen Kommentar dazu und sagen Sie Ihre Meinung. Schreiben Sie deutlich „Leserbrief“ in die Kopfzeile. Zitieren Sie den Beitrag, an den Sie anknüpfen. Wählen Sie eine aussagekräftige Überschrift. Und ergänzen Sie unter dem Text und nach Ihrer Unterschrift noch einmal Ihren vollständigen Namen mit Adresse und Kontaktdaten (Telefon, E-Mail).
Selbst wenn Ihr Brief nicht zur Veröffentlichung kommt, war Ihre Mühe nicht unbedingt umsonst. Alle Leserbriefe werden von Redakteuren aufmerksam gelesen, denn sie geben Aufschluss über Themen und Ereignisse, die manche Leser aktuell besonders bewegen. Leserbriefe können daher sowohl die zukünftige Themenauswahl als auch die Haltung der Redakteure zu bestimmten Fragen beeinflussen, haben also eine stark meinungsbildende Funktion. Das kann sich später für Sie auszahlen, wenn ein Redakteur Ihre Meinung aufnimmt und weiterträgt oder Sie als Experten zitiert.

Weitere Tipps folgen in Teil 2

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